Brief aus Zuchwil

Fusionen bleiben immer ein Thema

Von Max Frenkel

Zuchwil

Zuchwil gehört zu Basel. Jedenfalls seit dem ­Westfälischen Frieden von 1648. Vorher war es durch einen Fluss – die Aare – von Basel getrennt und gehörte zu Konstanz. Wenn nun ein Leser glauben sollte, der Schreiberling verstehe nichts von Geografie, hat er zwar grundsätzlich recht. In diesem Falle jedoch nicht. Das Basel, das hier gemeint ist, ist das Bistum Basel, und das ­Konstanz war das Erzbistum Konstanz.

Aber gewisse Dinge haben Zuchwil und Basel doch gemeinsam. An beiden Orten wird zurzeit viel über Fusionen gesprochen. In Basel nicht zum ersten Mal. 1969 hatte ich häufig mit dem ­damaligen Regierungsrat und ehemaligen Pfarrer Paul Manz zu tun. Er war ein glühender Gegner einer Fusion. Wahrscheinlich war auch er der ­Meinung, Basel-Stadt habe es einfach noch nicht überwunden, «nur» ein Halbkanton zu sein. ­Baselland hingegen – das war mein Eindruck – wollte nicht wieder dem Diktat der «grosskopfeten» Basel-Städter ausgesetzt sein.

In Zuchwil geht es darum, ob diese und die Gemeinden Derendingen, Biberist und Luterbach sich mit Solothurn vereinigen wollen. Eine Fachhochschule, die damit schön Geld verdient, schlägt das unter dem nicht gerade bescheidenen Namen «Solothurn Top5» vor. Sie hat die Gemeinden auch dazu gebracht, sich zu verpflichten, öffentlich nicht gegen das Projekt aufzutreten. Eines jedoch wäre klar: Würde Zuchwil die Fusion ablehnen, wäre diese wegen der zentralen Lage der Gemeinde gestorben.

Ernüchternde Ergebnisse

Nun, ich bin einer der wenigen in der Schweiz, die beim Thema Fusionen auch wissen, wovon sie sprechen. 1981, als ich noch nebenamtlich das «Forschungsinstitut für Föderalismus und Regionalstrukturen» in Riehen leitete, hatte ich ein Buch herausgegeben, das unter dem Titel «Besser? Billiger? Bürgernäher?» eine Diskussion wiedergab, die sich mit der Fusionsproblematik befasste.

Selber hatte ich einmal weltweit Fusionen studiert und dabei verglichen, was man sich von ihnen versprach und was dann einige Jahre ­später tatsächlich eintraf. Fast überall war das Ergebnis ernüchternd. Weder war die neue Gebietskörperschaft besser als die früheren, noch war sie billiger und schon gar nicht war sie bürgernäher. Eigentlich ist das ja selbstverständlich.

Das, was vorher eine Milizorganisation bewältigte, wird nach der Fusion von Beamten erledigt. Und es sind gerade diese Beamten, die den ­Milizorganen ständig neue Pflichten auferlegen. Billiger wird das nicht. Und dass es nicht bürgernäher sein kann, ist offensichtlich.

Im Gegenteil: Die Stärke der Schweiz macht die direkte ­Demokratie im kleinräumigen Föderalismus aus. Jeder weiss – mehr oder weniger –, wovon er spricht. Für mich gibt es nur einen Grund für Fusionen: der Mangel an Bürgern, die bereit sind, im Milizsystem ein öffentliches Amt auszuüben. In Amerika war ich einmal «visiting scholar» am Workshop in Political Theory and Policy Analysis der Indiana University. Dort lernte ich das Professoren-Ehepaar Ellinor und Vincent Ostrom kennen. Ich wohnte etwa zwei Wochen bei ihm. Ellinor bekam ­später, nach dem Tod ihres Gatten, den Wirtschafts-Nobelpreis. Sie kannte die Schweiz – vor allem das Wallis – bestens und benützte den Kanton, d.h. seine kleinräumigen Gemeinden, immer wieder als Gegenargument in Fusionsdiskussionen.

Logisches Denken

Natürlich – um wieder auf Zuchwil zu ­sprechen zu kommen – hätte eine Fusion auch Vorzüge. So bekämen wir zum Beispiel eine ­leistungsfähigere Bauverwaltung und, in ­Solothurn, einen Werkhof, der immer offen ist. Und der Gemeindepräsident, der ebenfalls für eine Fusion ist, würde Mitglied der Stadtregierung, bekäme einen feudalen Dienstwagen und weniger zu tun. Hingegen gäbe es in «Gross-Solothurn» keine Gemeindeversamm­lungen mehr, weil das Gebiet dafür zu gross wäre. Es wäre die Stadtregierung, die alles entscheidet. Auch wenn gegen viele Entscheide das Referendum ergriffen werden könnte, wäre das doch nicht dasselbe wie der direkte Entscheid durch eine Gemeindeversammlung. Aber auch auf ­dieses Argument haben die Fusionsbefürworter eine Antwort.

So erklärte der Gemeindepräsident von Biberist allen Ernstes, dass die Gemeindeversammlungen ja durch Quartierversammlungen ersetzt werden könnten! Wer würde wohl schon an eine Quartierversammlung gehen, wenn diese nichts zu entscheiden hätte?

Der Preis für all das wäre der Abbau der Bürgernähe. Für mich bleibt deshalb klar, dass dieses ganze Fusionsgerede endlich ein Ende haben sollte. Zumal ich annehme, dass in den Abstimmungen, in Basel wie in Solothurn, die Projekte abgelehnt werden.

Was allerdings nicht verhindern wird, dass nach einigen Jahren wieder von Fusionen die Rede sein wird! Denn Menschen, die glauben, logisch zu denken, werden sich immer von auf dem Reissbrett einfach erscheinenden Gebilden angezogen fühlen.

Für mich gibt es nur einen Grund für Fusionen: der Mangel an Bürgern, die bereit sind, im Milizsystem ein öffentliches Amt auszuüben.

Baselbieter Freiheitsfest: Ansprache von Hans A. Jenny

Liebi Landslütt, Dame und Herre, Fraue und Manne Sehr geehrti Frau Regierigsrötin Sabine Pegoraro, Sehr geehrti Herre Regierungsröt Anton Lauber und Thomas Weber. Ich freu mi sehr, dass mir hütt grad drei fusionskritischi Magistrate begrüesse dörfe.

Die ganzi Fusionsgschicht hett nit nur mit unsere Freiheitsgfühl, sondern au viel mit Rächne z’tue: 500 Franke pro Stund syg e agmässes Sitzigs-Honorar, het e fusionsfründlige Baselbieter Regierigsroot erklärt. Und e-n-andere Fusionsfründ und Ex-Regierigsroot hett gmäldet, dass tausig Frangge pro Sitzig in Ornig syge. Drum dörfe mer au mit dene Zahle rächne. 125 Gsetzesfabrikante wurde also bi numme zäh Sitzige pro Johr 1,25 Millione koschte.
Doderzue kömme no – nach amtlige Berächnige, für Büro- und Wisseschafts-Infrastruktur e wyteri gueti Million - plus 350‘000 Frangge für Oeffentlichkeitsarbet. Johr für Johr, notabene.

Mer mien also aneh, dass 125 Verfassigsrööt zulaste vo de Stüürzahler in der Stadt und uff em Land jedes Johr - ohne Koschte-Erhöhige, Türigszuelag und wytere Näbespese – 2,6 Millione verbruche. Das macht in zäh Johr mindeschtens 26 Millione.

Wenn denn dä Verfassigsbärg syni neue Gsetzesmüüs gebore hett, syge mer jo erscht sozusage halbschwanger. Es gieng jetzt jo numme um e unverbindligi Priefig, behaupte d‘Fusionischte.
Erstunke und erloge, Betrug und Bschyss!
Halbschwanger gitts nit! Au unsere Regierigsroot hett Bedänke und stellt d’Kardinalfroog: „Unterstehen die vom Verfassungsrot erlassenen sogenannten `unerlässlichen` Gesetze einem Referendum? Ein Demokratiedefizit in der Form, dass der Souverän beim Entscheid über die Gesetzgebung übergangen wird, muss vermieden werden.“ Au das seit unseri Baselbieter Regierig. E fromme Wunsch, aber nur e Wunsch und kai Gsetz.

Tatsächlig isch vom-e-ne obligatorische Referändum, von ere zwingende Abstimmig über alli neue Gsetz, kai Red. Mer hätte denn nüt me z’saage und könnte numme no brav nicke und dä ganzi unnötigi Zauber mit Stüürerhöhige zahle.

D`Fusionischte hänn jo sälber e kai Ahnig, wie lang die Sitzerei goh sott. Si hänn aimool vo fünf, denn wieder vo siebe oder sogar vo zäh Johr gschriebe. In der Vorlag vom Baselbieter Regierigsroot an Landroot heissts klar und düttlig: „Für den Verfassungsrat ist keine Amtsdauer vorgesehen.“ Bi so saftige Sitzigshonorar hänn also alli Verfassigsrööt e persönlig finanziell Interesse dra, dass die ganzi sogenannti Fusionsprüfig möglichst lang goht. Das tüüri Gekäse und Paragrafeschinde könnt also au zwölf oder 15 Johr duure.
Und während däre lange Zytt wartet me zwangsläufig in der Stadt und uff em Land ab. S’politisch Läbe blybt blockiert. Es wurd gar nüt meh laufe in Sache Fortschritt – alle Räder stehen still, weil der Verfassungsrat es will!

Unsere Baselbieter Sänger, der Florian Schneider, hett mit sym Rotstablied e-n-aigene, unabhängige Propaganda- Fäldzug organisiert. Eso wie-n-är könne au Sie, liebi Gescht, ganz persönlig muetig für e Nai zur Fusion ystoh.
Loose Si nit uff das dumm Gschwätz, mir wurde polarisiere. E klari Mainig isch guete Schwyzer Bruuch. Unseri Freiheit isch nit verhandelbar – weder im Baselbiet no in der Schwyz! Es git traditionslosi Mensche, wo nüt meh wüsse wänn vo Heimet, vo unserer Gschicht, vo unsere Vorfahre und übers Vatterland, über unsere Landkanton spöttle. „Sitzed nicht da, wo die Spötter sitzen“, heissts in der Bibel. Hütt, am Fest der Freiheit, wänn mir alli für die guete alte Wärt ystoh: Für unseri Treui zum Baselbiet, für der bewährti schwyzerischi Föderalismus und für d’Unabhängigkeit vo unserem Baselbiet.

D’Fusionischte möchte am liebschte alli Kantön abschaffe und internationali Grossruum-Regione konstruiere. Si maine, das syg mödärn und jung. Nai, liebi Baselbietere und Baselbieter, dass isch e-n-alte und e schäbige Huet, wenn me glaubt, dass grösser besser und durenandgmischlet gscheiter syg. Ganz im Gegetail: Guet z’regiere und überschaubar sinn nur heimettreui Strukture. Das wüsse au unseri Gwärbler, unseri Buure und unseri KMU.

Kürzlich isch unter grossem Trari und Trara z’Basel e Studie gmacht worde. Me hett 6000 KMU-Betrieb vo Stadt und Land gfrogt, was sie denn vo däre Fusion halte. Jä, hetts denn in de Zyttige ghaisse, die meischte vo däne, wo e-n-Antwort geh hänn, syge z’Basel derfür gsi – numme im Oberbaselbiet haigs s’weniger begaischteret tönt. Aber ohalätz, die Umfroog isch bös in d’Hose gange – es hänn nämlig überhaupt numme knappi zäh Prozänt e-n-Antwort geh – 90 Prozänt vo alle klaine und mittlere Betrieb z’Basel und uff em Land isch’s Thema Fusion also schnorzegal und conchitawurscht gsi.

Sehn Si, liebe Landslütt, eso felscht me-n-Umfrooge! Wenn mir jetzt brav fünf, siebe, zäh oder meh Johr lang d’Fusion „prüefe“ wurde, denn wärdi alles besser und billiger, verspräche unseri Gegner und Gegnerinne.
Bla – bla – bla – ganz im Gegetail!
Allermindeschtens 26 Millione koschtet der Verfassigsroot, und au wenn me denn irgendwenn emool Huderte vo Beamte in der Stadt und uff em Land rationalisierigskündige tuet, git das halt au wieder Millione Entlassigsspese. Höcheri Fusionsstüür sinn vorprogrammiert. In Dütschland äne glaubt au kai Mensch meh an grossi, leeri Versprächige: Der Berliner Superflughaafe und d’Hamburger Elb-Harmonie sinn meh als dopplet so tüür worde wie hoch und heilig aakündiget. Au bi uns liegt me s’Blau vom Himmel – dängge Si numme an d’Neat und alli Gotthard- und Lötschbärg- Löcher, an s’Gschwätz vom Bundesroot in Sache EU und „Freizügigkeit“ – alles glooge!
Und jetzt sölle mir de Fusionischte glaube, wenn si vo Synergie fasle?

D’Basler sinns jo gwöhnt, dass me grosszügig mit der rotgrüene Kelle aarichtet. Basel hett e Sozialhilfequote vo 7 Prozänt, s’Baselbiet vo numme 2,5 Prozänt – au dorum, will im Stadtkanton über 30 % Ussländer läbe, bi uns numme öppe zäh Prozänt. Basel hett die zwaittürschti Verwaltig vo der Schwyz. Pro Ywohner und Johr gitt me für das im Verheltnis fascht zwaimool so grossi Beamteheer in der Stadt 14000 Franke uss – bi uns numme 7000 Franke. D’Stadt isch trotzdäm immer wie krimineller worde. Offebar isch unseri Landpolizei schnäller…

Logischerwys hett d’Stadt au viel tüüreri Krankekasseprämie. Do ha-n-i no e Mäldig, wo erscht wenigi Tag alt isch: Basel will 400 Millione Stüürusfäll dermit teilkompensiere, dass me 34 Kulturmillione uss em Budget strycht um e sofortigs Finanzdesaster abzwände.
Kai Wunder, säuslet is jetzt dr Basler Stadtpresidänt um d’Ohre, mer syge jo Liebi, wenn mir no meh fürs freudlosi Stadttheater und d’Universitet zahle wurde. Wenn mer aber nit eso lieb sy wölle, derno wurd är sich halt mit de Jurassier verbünde…
Jo, es stimmt tatsächlig – Basel tickt anders!

D‘ Baselbieter Kantonsverächter vo de sozialischtische Fusionischte plane au bi uns im Schatte vo däm Fusionsgschtürm e neue Fischzug uff die üblige Verdächtige: Die sogenannte Mehrverdiener sölle denn die höchere Fusions-Stüüre zahle. // Ich ha Basel trotzdäm gärn – in gegesyttig unabhängiger und glychberächtigter Partnerschaft.
Zum Lob vo däre gschichts- und traditionsryche Staddt ha-n-ich au elf Basler Biecher gschriebe. D’Fusionischte sinn nit Basel – ganz im Gegetail schade si dr Entwicklig in der Stadt und uff em Land. Denn au z’Basel gitts tausigi vo Mensche, wo begryffe, dass me’s Baselbiet nümm als Untertanegebiet und uns Baselbieter als Buuretscholi betrachte darf, sondern als ehrligi Partner uff glycher Höchi.

„Entente cordiale ja – Fusion Nai“ das isch my Slogan vo allem Aafang a gsi. Und mit Kollege sött me-n-au nit „Schweinchen Schlau“ spiele, wie das d’Fusionischte immer wieder versueche. Mer sinn kai Zahlvati für die rotgrüeni Basler Schulde- Wirtschaft. Ains mues klar sy: Ueberall dört, wo mir freiwillig und partnerschaftlig Hunderti vo Millione an die sogenannte Zentrumslaschte laischte, überall dört soll Baselland au in alle Belange fair mitbestimme dörfe – ob das jetzt finanziell, programmatisch, strukturell oder strategisch isch – Mir löhn ys nie meh über e Tisch zieh!

Mit bsunderer Freud darf ich Sie, liebi Freiheitsfeschtgmaind, au no uff e grossi Gruppe vo junge Lütt uss alle Parteie uffmerksam mache. Si bekenne sich hütt derzue, dass Si die Riese-Baselbieterfahne als Zaiche vo ihrem Nai zur Fusion, an der Sissacherflueh uffghängt hänn. Uff ihre Lybli haissts klar und düttlig „Fusion – nein Danke!“ Es isch schön, dass jetzt nit nur Elteri für unsere Kanton ystöhn, sondern au unseri Baselbieter Jugend.

Bi uns uff em Land und au in Basel sälber erkläre sich jetzt au vieli ehemoolige Regierigsrööt gege d’Fusion, will si über die schlimme Konsequänze Bschaid wüsse. D’SVP Oberbaselbiet und au mir vom unabhängige Komitee „Pro Baselbiet“ als gemeinsami Veranstalter vom hüttige „Fest der Freiheit“ sinn ys ainig: Mer sage Aendi Septämber Nai zum unnötige und tüüre Verfassigsroot und zu-n-ere johrelange Paragrafe-Produktion.

Mir wänn kaini Fusions-Stüüre zahle. D’Stadt Basel söll ihri viele dringende intärne Problem sälber löse und uns Landlütt das sy und bliebe loh, was mer sinn – freyi Baselbieterinne und Baselbieter!


Hans A. Jenny,
Gründer-Präsident „Pro Baselbiet“, Tecknau

Festansprache Regierungsrat Thomas Weber

Thomas Rede01
Baselbieter Freiheitsfest, Wenslingen, 24. August 2014

„Der Kanton Basel-Landschaft ist ein eigenständiger Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Er beteiligt sich aktiv an der Gestaltung der Eidgenossenschaft und unterstützt den Bund in der Erfüllung seiner Aufgaben.

Seine Behörden wirken darauf hin, dass er zu einem Vollkanton mit einer ganzen Standesstimme und mit zwei Mitgliedern des Ständerates wird.“


Liebe Baselbieterinnen und Baselbieter
 

So steht es in unserer Kantonsverfassung, und ich meine, dem gibt es nichts anzufügen. Die Verfassung gibt den Rahmen vor, der heute und in Zukunft für unseren Kanton gelten soll. Das Volk drückt im Baselbieter Grundgesetz zudem auch seinen Willen aus, Freiheit und Recht im Rahmen seiner demokratischen Tradition und Ordnung zu schützen. Und das Volk ist fest entschlossen, den Kanton als souveränen Stand der Eidgenossenschaft zu festigen und zu erhalten.

Das Baselbieter Volk will die Freiheit schützen. – Ist das nicht selbstverständlich? Alle wollen doch Freiheit, wenn man sie fragt. Nur: Ist das wirklich so? Gehen wir verantwortungsvoll mit unserer Freiheit um und sind wir uns überhaupt dieser Freiheit bewusst? Oder geben wir sie Stück für Stück ab, aus Bequemlichkeit oder womöglich mangelndem Selbstbewusstsein, weil wir Basel, Bern oder Brüssel mehr zutrauen als uns selbst?

Freiheit ist unbequem: Sie verlangt von jedem einzelnen von uns Entscheidungen, und jede Entscheidung hat Folgen. Jede Entscheidung, die wir in Freiheit und Eigenverantwortung treffen, kann richtig oder falsch sein. Genau dies macht den Wert der Freiheit aus, dass wir selbst bestimmen dürfen, können und müssen, und dass wir bereit sind, die Konsequenzen unserer Entscheide zu tragen.

Zur Freiheit eines Staatswesens gehört seine Selbständigkeit und Souveränität. Das gilt für die Kantone wie für die Eidgenossenschaft als Ganzes.

Wem würde es bei einer Aufgabe unserer kantonalen Selbständigkeit und Souveränität besser oder noch besser gehen als heute? Die Gegner unserer Selbständigkeit versprechen viel. Aber wissen sie es wirklich besser?

Nein, sicher nicht. Lassen wir uns nichts einreden: Baselland steht gut da, und ist auch weiterhin sehr gut in der Lage, seine Angelegenheiten eigenständig und eigenverantwortlich zu regeln. Unsere Wirtschaft floriert, unsere Landschaft bedeutet Lebensqualität, wir haben uns eine sehr gute Infrastruktur aufgebaut und wir haben in Baselland eine sehr niedrige Arbeitslosenquote.

Was wäre denn für uns als einzelne Person, als Familie, als Verein oder als Unternehmen besser, wenn wir in einem grösseren politischen Gebilde leben würden? Bei Zusammenschlüssen von politischen Gebietskörperschaften richtet sich das Leistungsniveau immer nach dem höheren Standard, das heisst: Niemand wird bereit sein, beim Service Public zurückzustecken und auf staatliche Leistungen, die heute in der Stadt angeboten werden, zu verzichten. Hier machen auch einzelne Wirtschaftsvertreter eine Fehlüberlegung: Wenn Unternehmen fusionieren, konzentrieren sie ihr Geschäft, reduzieren sie ihre Administration und stossen nicht rentable Bereiche ab.

Bei Kantonen geht das nicht. Was ist die Folge? Die staatlichen Leistungen werden überall dem höheren Niveau angepasst, die Verwaltung wächst, die Personalkosten steigen und damit natürlich auch Steuern und Gebühren. Um diese für unseren Kanton schlechten Entwicklungen vorauszusehen, braucht es keine umfangreichen Simulationen und schon gar keinen Verfassungsrat, der jahrelang tagt und von der Kantonsverwaltung laufend Abklärungen und Berichte verlangt. Wollen wir das? Sind wir bereit, mehr Steuern zu zahlen für eine gesamthaft sicher grössere Verwaltung? Ich meine: nein!

Der Kanton habe zu viele Partnerschaftsverträge mit Basel, hört man in diesen Tagen oft. Aber was spielt das für eine Rolle? Jedes grössere Unternehmen unterhält Hunderte von Verträgen. Wenn sie gut sind, ist es recht, wenn nicht, sind sie zu kündigen oder neu auszuhandeln. Der Kanton Basel-Landschaft hat viele Verträge und Leistungsaufträge mit anderen Kantonen, mit Gemeinden und vor allem mit vielen öffentlich-rechtlichen und privaten Unternehmen. Zum Beispiel im Bau- und Verkehrswesen, bei den Spitälern, für die Innovations- und Standortförderung, für die interkantonale polizeiliche Zusammenarbeit und Ausbildung. Das gilt für Baselland wie für Basel-Stadt gleichermassen. Wieso sollen wir deshalb Selbständigkeit und Souveränität unseres Kantons aufgeben? Was wäre für die Bevölkerung, was wäre für Sie, liebe Baselbieterinnen und Baselbieter dann besser?

Ich frage mich immer wieder: Woher kommt diese Geringschätzung, die einzelne politisch und journalistisch aktive Personen gegenüber ihrem Kanton und überhaupt gegenüber der Schweiz ausdrücken? Soll etwa der Kanton schuld sein an allem, was diesen Leuten nicht gefällt? Glauben diese Menschen wirklich, dass sie zufriedener wären, wenn die Selbständigkeit und Souveränität des Kantons oder des Landes – wenn wir an die EU denken – geopfert würde und neue, grössere und anonymere staatliche Strukturen über sie bestimmen würden?

Warum ertragen sie Werte wie Nähe, Vertrautheit oder Kleinräumigkeit nicht? Warum soll grösser immer und überall besser sein? – Wahrscheinlich, weil diese Leute Angst vor der Freiheit und der damit verbundenen Eigenverantwortung haben und vor den Konsequenzen, welche ein freies und eigenverantwortliches Handeln eben mit sich bringen können. Die Gegner unserer Selbständigkeit geben sich „offen“, wie sie das nennen und verachten Andersdenkende als „Hülftenschänzler“ und „isolierte Scheuklappen-Schweizer“. Dabei merken sie nicht, dass wir genau diese Arroganz und Überheblichkeit niemals akzeptieren werden.

Grösser heisst nicht besser. Das ist ein Trugschluss. Aber freier, freier ist besser!

Botschafter Paul Widmer war von 2007-2011 Ständiger Vertreter der Schweiz beim Europarat in Strassburg. Und er sagte – ich zitiere:
„Die Korrektive in der Schweiz zugunsten der Freiheit haben zwei Namen. Das eine heisst «Föderalismus». Seit ihrer Entstehung wehrte sich die Eidgenossenschaft gegen einen administrativ durchgekämmten Staat. Vielmehr bemühte sie sich, Macht nicht zu zentrieren, sondern Vielfalt mit lockerer staatlicher Einheit zu vereinen. Das andere Korrektiv heisst «Milizwesen». Die Schweiz ist eine Bürgergesellschaft. Sie lebt davon, dass die Bürger Verantwortung übernehmen. Das Milizwesen erlaubt vielen, Probleme nicht nur aus ihrer Sicht, sondern auch aus der Optik der Öffentlichkeit zu erfahren. Nirgends ist die Identität von Regierenden und Regierten so stark wie in einer Demokratie, die das Milizwesen pflegt. Besteht dieses Engagement nicht mehr, geht ein Teil an Freiheit verloren. Wo der Bürger abdankt, macht sich der Bürokrat breit.“

Im Baselbiet, besonders in seinen ländlichen Bezirken, ist das Milizwesen noch stark ausgeprägt. Je städtischer die Gegend wird, desto schneller hört man den Ruf nach „Professionalisierung“ und „Qualitätssicherung“ der Behördenarbeit. Ohne dass ich das inhaltlich werten möchte: Aber diese städtisch geprägte Entwicklung ist eine sehr teure Entwicklung. Denken wir zum Beispiel an die neuen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden oder die neue Aufsicht über die berufliche Vorsorge und die Stiftungen. Diese Behörden arbeiten sicher professionell und fachkompetent, aber sie sind eben auch sehr teuer. Dass diese immer stärker fortschreitende Tendenz in einem eigenständigen Kanton Baselland mit seinem fein austarierten Gleichgewicht zwischen ländlichen und städtischen Gemeinden besser eingedämmt werden kann, als in einem wiedervereinigten, städtischeren Kanton, liegt auf der Hand.

Baselland ist die starke Mitte des Wirtschafts- und Lebensraums Nordwestschweiz, der Region nördlich des Jurakamms. Das selbständige und souveräne Baselbiet hat die Aufgabe, Motor der Weiterentwicklung unserer Region zu sein, im Kleinen, sachbezogen, Schritt für Schritt. Nicht, um mit grossen Visionen in die Geschichtsbücher einzugehen, sondern um der Bevölkerung im täglichen Leben, um Ihnen meine Damen und Herren, Verbesserungen zu bringen oder möglichst viel von dem zu erhalten, was heute gut ist. Und heute ist sehr vieles gut, wenn wir über den Tellerrand in die Welt hinaus blicken. Gut für unsere Kinder, unsere Grosskinder und für uns selbst.

Behalten wir unser Schicksal in unseren eigenen Händen und gehen wir mutig ans Werk: eine schlanke Verwaltung, die nahe an der Bevölkerung ist; starke Gemeinden, die ihre Aufgaben verstärkt im Verbund miteinander angehen; eine grenzüberschreitende, sachbezogene Zusammenarbeit; eine lebenswerte Landschaft, eine starke Wirtschaft, florierende Unternehmen und sichere Arbeitsplätze – dies und noch viel mehr sind und bleiben die Trümpfe des Baselbiets.

Vergeuden wir unsere Energie also nicht damit, krampfhaft Grenzen auszuradieren, die im Leben der Bevölkerung völlig bedeutungslos sind. Konzentrieren wir unsere Kräfte aber auch nicht darauf, diese Grenzen zu zementieren.

Ignorieren wir doch einfach die Grenzen dort, wo sie keine Rolle spielen, und respektieren wir sie dort, wo sie uns nützen!

Das selbständige und souveräne Baselbiet in seiner ausgewogenen Vielfalt hat genauso eine Zukunft wie der Kanton Basel-Stadt, der gleichzeitig als Kanton und als Stadt selbständig mehr Einfluss hat, als jede andere Schweizer Stadt. Ein Beispiel: In allen gesamtschweizerischen Regierungsgremien, in denen wichtige sachpolitische Entscheide getroffen werden – etwa in der Konferenz der Erziehungsdirektorinnen, der Gesundheitsdirektoren, der Finanzdirektorinnen oder der Volkswirtschaftsdirektoren – haben Basel-Landschaft und Basel-Stadt heute je eine Stimme und damit viel Gewicht. Zwei Kantone üben logischerweise doppelt so viel Einfluss aus wie nur einer. Im Interesse unserer Region, von Baselland und Basel-Stadt, sollte das so bleiben.

Der Schlüssel für eine fruchtbare Zukunft liegt in der vertieften Zusammenarbeit der beiden selbständigen und souveränen Kantone. Sie sollen gemeinsame Anliegen stärker als bisher gemeinsam vertreten, aber sie sollen auch einmal anderer Meinung sein dürfen, wenn es ihrer eigenen Bevölkerung dient.

Es geht nicht darum, mehr Einfluss in Bern oder sogar in Brüssel zu bekommen. Es geht darum, der eigenen Bevölkerung zu dienen: 

  • mit einer effizienten und starken Schule 
  • mit einer wohnortsnahen, guten und bezahlbaren Gesundheitsversorgung 
  • mit einer bürgernahen Polizei ! mit attraktiven, konkurrenzfähigen Steuern 
  • und mit einer leistungsstarken und kostengünstigen Infrastruktur.


Der Kanton Baselland kann und wird das alles auch in Zukunft besser leisten können, wenn er selbständig und souverän bleibt.

Die Abstimmung vom 28. September geht weit über kantonale Anliegen hinaus: Es geht um die Frage, ob wir den Mut und die Kraft aufbringen, in der heutigen Zeit von Vereinheitlichung, Globalisierung und Zentralisierung zu uns und unserem eigenen und souveränen Staatswesen zu stehen. Nicht die grössere Einheit löst unsere Probleme, nicht in der Grösse liegt unser Wohl. Unsere Zukunft hängt vom Willen ab, im eigenen Haus selber Ordnung zu halten, das eigene Feld selber zu bestellen - überhaupt davon, für unsere Probleme selber Lösungen zu finden.

Unser Staatswesen ist von unten nach oben aufgebaut. Man nennt das Subsidiaritätsprinzip: Was der Einzelne machen kann, soll nicht die Familie für ihn tun, was die Familie machen kann, soll nicht die Gemeinde für sie tun, was die Gemeinde machen kann, soll nicht der Kanton für sie tun, was der Kanton machen kann, soll nicht der Bund für ihn tun, und was wir im eigenen Land machen können, soll nicht irgend ein internationales Gremium tun. Eine möglichst grosse Eigenständigkeit der vielfältigen kleinen politischen Einheiten – unser Föderalismus – ist das Erfolgsrezept. Und der Föderalismus ist ein Modell auch für andere Staaten auf der ganzen Welt.

Von unten nach oben aufgebaut, das heisst auch klar, dass wir als einzelne Person in der Pflicht stehen: Nicht der bequeme Weg mit möglichst wenig Aufwand, aber möglichst viel Vergnügen bringt uns als politische Gemeinschaft weiter, sondern der Weg der Freiheit, der Selbständigkeit, der Souveränität und der eigenverantwortlichen Entscheidungen. Alle sind wir aufgerufen, unsere Fähigkeiten einzubringen: in der Familie, in den Vereinen, in den Organisationen von Gemeinden, Kantonen und Bund. Das Volk wird nur der Souverän bleiben, wenn wir alle, jede und jeder Einzelne, uns engagieren und nicht die politische Verantwortung an anonyme Eliten delegieren.

Wir wollen als Baselbieterinnen und Baselbieter unsere Zukunft selber gestalten. Am besten gelingt uns das als selbständiger, souveräner und starker Kanton. Wir wollen mit allen unseren Nachbarn zusammenarbeiten und miteinander unsere regionalen Aufgaben lösen.

Wir haben eine Geschichte, wir haben eine Gegenwart und wir haben eine Zukunft. Eine gute Zukunft, meine Damen und Herren:

Mir sy und blyybe Baselbieter!

Grundsatzpapier zur Position der Regierung

Unter der Nummer 2013-444 hat der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft zur formulierten Verfassungsinitiative „Für die Fusion der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft“ eine Vorlage an den Landrat ausgearbeitet. Auf 42 Seiten hat der Regierungsrat sich gründlich mit diesem Volksbegehren auseinander- gesetzt und sämtliche historischen, wirtschaftlichen, finanziellen und emotionalen Aspekte der Initiative geprüft und abgewogen. Wir vom „Komitee Pro Baselbiet“ beschränken uns hier mit genauen Originalzitaten dieses Berichtes logischerweise ausschliesslich auf jene Argumente, die den Regierungsrat dazu bewogen haben, die Initiative abzulehnen und dem Landrat vorzuschlagen, das Volks- begehren den Stimmberechtigten zur Verwerfung zu empfehlen.

„Seit der Wiedervereinigungs-Abstimmung im Jahre 1969 und den beiden `Laufentalabstimmungen` von 1983 und 1991 hatte der Kanton Basel-Landschaft nicht mehr einen Entscheid zu fällen, der für ihn von einer solchen staatspolitischen und historischen Tragweite ist.“

„Der Regierungsrat hat sich am 27. August 2013 nach eingehender Diskussion dazu bekannt, den bisher erfolgreichen Weg der Partnerschaft fortzuführen und zu vertiefen, an der Maxime der Eigenständigkeit unseres Kantons festzuhalten und dem Landrat zu beantragen, die Fusionsinitiative abzulehnen.“

„Im Konzept der vertieften Partnerschaft mit Baselstadt, aber auch in der Intensivierung der Zusammenarbeit mit den anderen Partnern der Nord- westschweiz und über die Landesgrenzen hinweg am Oberrhein, erkennt der Regierungsrat die Chance, konstruktiv und kooperativ zur Erhaltung und zum Ausbau der hohen Lebensqualität und zu einer hohen Standort- Attraktivität in unserer Region beizutragen.“

„Für den Regierungsrat ist der Fortbestand unseres Kantons aber auch eine `Herzensangelegenheit`. Die Emotionalität dieser Frage ist wichtig und ihr Kommt neben den sachlichen Ueberlegungen und Abwägungen ein eben- bürtiger Stellenwert zu. Wir freuen uns über die Existenz unseres Kantons, über seine Vielfalt und seine Leistungsfähigkeit. Der Regierungsrat will, dass unser Kanton seine erfolgreiche Geschichte und Entwicklung in Zukunft fortsetzen kann.
Die Fusionsinitiative, beziehungsweise die Fusion mit unserem Nachbarkanton ist hierfür nicht der richtige Weg.“

„Als selbständiger Kanton ist Baselland heute in der Lage, seine Forderungen und Anliegen gegenüber den anderen Kantonen, gegenüber dem Bund und gegenüber dem benachbarten Ausland unmittelbar durch seine eigenen Behörden und Organe und mit der eigenen Prioritätensetzung geltend zu machen. Gibt Baselland seine Eigenständigkeit auf, verliert es auch seine politische Selbstbestimmung und muss seine Interessenwahrung einer übergeordneten politischen Einheit, nämlich dem Kanton Basel, unterordnen.“

„In der Präambel zur geltenden Kantonsverfassung gibt sich das Baselbieter Volk seine Verfassung unter anderem mit den folgenden Worten: `…entschlossen, den Kanton als souveränen Stand in der Eidgenossenschaft zu festigen und ihn in seiner Vielfalt zu erhalten.`
Der Verfassungsgeber definiert in § 1 Absatz 1 der Kantonsverfassung die Stellung des Kantons wie folgt: `Der Kanton Basel-Landschaft ist ein eigen- ständiger Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft.`
Der Regierungsrat fühlt sich diesem Verfassungsauftrag weiterhin verpflichtet. Die Fusionsinitiative zielt in die entgegengesetzte Richtung: Der Kanton soll nicht gefestigt und in seiner Eigenständigkeit und in seiner Eigenart gestärkt werden, sondern er soll aufgelöst werden. Die Fusionsinitiative soll eine fundamentale Weichenstellung einleiten, welche unseren Kanton in seinen Grundfesten trifft. Der Regierungsrat ist mit dem in der Fusionsinitiative vorgezeichneten Weg und seiner möglichen Konsequenz - nämlich der Aufhebung unseres Kantons – nicht einverstanden.“

„Der Schweizerische Bundesstaat ist 1848 aus den Kantonen hervorgegangen. Sein Profil trägt sehr wesentlich die Züge der Kantone, auch jene unseres eigenen Kantons. Mit dessen Aufhebung infolge der Fusion würden unser Land und der Schweizerische Föderalismus ein bedeutendes Element ihrer Vielgestaltigkeit und ihres kulturellen Reichtums verlieren.
Der Regierungsrat ist überzeugt, dass der Kanton Basel-Landschaft weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Schweiz leisten wird, so wie er es mit seinen hochwertigen öffentlichen Dienstleistungen heute bereits tut. Als eigenständiges Staatswesen mit eigener Gesetzgebungskompetenz bringt sich das Baselbiet stark, selbstbewusst und nachhaltig in den schweizerischen Bundesstaat ein.
Der Regierungsrat ist nicht angetreten, um das Bestehen des Kantons Basel-Landschaft in den nächsten Jahren zu beenden. Ganz im Gegenteil: Die Regierung setzt sich mit voller Energie und Ueberzeugung dafür ein, dass sich das Baselbiet in den kommenden Jahren auf dem eingeschlagenen Weg weiter entwickeln kann.“

„Die territoriale Grundstruktur der Schweiz hat sich seit dem Erlass der Ersten Bundesverfassung mit Ausnahme der Schaffung des Kantons Jura kaum verändert. Versuche, Kantone zu fusionieren, sind allesamt gescheitert.“
„Am 2. Juni 2002 erteilten die Waadtländer der ausgearbeiteten Verfassungs- Initiative `Vaud-Genève`, die auf die Fusion der Kantone Genf und Waadt zielte, mit über 77 Prozent Nein-Stimmen eine klare Abfuhr. Ebenso erging es ihrer ‚Zwillingsinitiative` ‚Oui à la région` in Genf, die mit 80 % der Stimmen vom Volk abgelehnt wurde.“

„In der Zentralschweiz entfachten Medienberichte ab Ende der 1990er-Jahre eine Diskussion unter Politikern und der übrigen Bevölkerung über die Gründung eines Kantons `Zentralschweiz`, bestehend aus den Kantonen Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Zug und Luzern. Am Rande der Debatte über den Planungsbericht über die interkantonale Zusammenarbeit beschäftigte sich auch der grosse Rat des Kantons Luzern am 23. Juni 2003 mit der Frage, nahm dazu aber nicht Stellung. Daneben wurde auch eine verstärkte Zusammenarbeit diskutiert. Zu einer vertieften Debatte, welche über die Medien hinausginge, ist es (bislang) nicht gekommen.“

„Auch in der Ostschweiz steht eine Fusion der Kantone Thurgau, St.Gallen, Appenzell-Innerrhoden und Appenzell-Ausserrhoden zu einem einzigen Kanton `Ostschweiz` seit längerem immer wieder zur Diskussion. Die St.Galler Regierung begrüsste in ihrer Interpellationsbeantwortung vom 10. März 2009 eine Verstärkung der interkantonalen Kooperation. Eine Fusion hingegen lehnte sie ab, zumal eine solche den kulturellen und politischen Unterschieden zu wenig Rechnung tragen würde. Zum gleichen Schluss kamen auch die Thurgauer Behörden und lehnten die Erstellung eines Berichts zur `Vision Kanton Ostschweiz` ab. Der Grosse Rat erklärte den Antrag am 9. September 2009 mit 70 zu 18 Stimmen für nicht erheblich. Die beiden Appenzeller Halb- Kantone betrachten sich als eng verbundene und sehr gut zusammenarbeitende Partner, die überzeugt an ihrer jeweiligen Selbständigkeit festhalten.“

„Es sind die Kosten abzuschätzen, die nach der allfälligen Annahme der Initiative bis zur Abstimmung über die Verfassung des Kantons Basel anfallen würden. Gemäss Initiative tragen beide Kantone diese Kosten je zur Hälfte.“ „Es wird für den Verfassungsrat eine geschäftsführende Person sowie deren Stellvertretung angestellt (je Fr. 200‘000 pro Jahr). Daneben werden drei zusätzliche Protokollsekretärinnen, bezw. Protokollsekretäre (je 150‘000 pro Jahr) angestellt. Für die Unterstützung des Verfassungsrates und seiner Organe ist die Stelle einer wissenschaftlichen Sachbearbeitung (100 %-Stelle, Fr. 150‘000 pro Jahr) vorgesehen. Hinzu kommen die jährlichen Infrastrukturkosten (Raum, EDV) von Fr. 120‘000 (je Fr. 20‘000 pro Arbeitsplatz. Somit ergeben sich für das Büro des Verfassungsrates und seine wissenschaftliche Unterstützung geschätzte Kosten von Fr. 1‘120‘000 pro Jahr.
Hinzu kommen die jährlichen Entschädigungen der 120 Verfassungsrätinnen und Verfassungsräte für Sitzungsgeld und Spesen, die gemäss den Schätzungen der Landeskanzlei rund 450‘000 Franken pro Jahr ausmachen. Diese setzen sich aus den Sitzungsgeldern (für Plenum Fr. 360‘000, für Kommissionen Fr. 130‘000), den Spesen (Fr. 50‘000) und den Reiseentschädigungen (U-Abos Fr.90‘000) zusammen.“
Der Regierungsrat rechnet mit 10 – 12 Plenarsitzungen à 5 Std. und mit 50 Kommissions- Sitzungen à 4 Std. pro Jahr zu je 50 Franken pro Stunde.

„Für die Oeffentlichkeitsarbeit und den Einbezug der Bevölkerung in den Fusionsprozess sind zusätzliche Mittel erforderlich, die davon abhängen, wie und in welchem Ausmass der Verfassungsrat die Oeffentlichkeitsarbeit wahrnimmt. Nach groben Schätzungen sind dafür jährliche Beiträge von Fr. 200‘000 bis Fr. 500‘000 notwendig.
Zum heutigen Zeitpunkt kann nicht abgeschätzt werden, welche Ressourcen die beiden Kantonsverwaltungen dem Verfassungsrat zur Verfügung stellen müssen und in welchem Ausmass der Verfassungsrat externe Personalressourcen benötigen wird. Diese werden jedoch nach Vollkosten gerechnet ein Mehrfaches der vorstehend bezifferten Beträge ausmachen.“

„Ein Fusionsverfahren und die Einsetzung eines Verfassungsrats würden über Jahre Geld, Zeit und Personal binden. Ressourcen des Kantons also, die für andere wichtige Projekte dann nicht oder nur ungenügend zur Verfügung stünden. Der Prozess des Fusionsverfahrens bringt einen immensen Arbeits- und Zeitaufwand mit sich und absorbiert das `politische Personal` des Kantons und die Schlüssel- personen der kantonalen Verwaltung. Wichtige Vorhaben in unserem Kanton würden blockiert, bzw. könnten gar nicht erst an die Hand genommen werden, bis die Fusionsfrage endgültig beantwortet wäre. Wir hätten sehr lange eine ungewisse Situation, die sich zum Beispiel negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Kanton auswirken würde.“

„Der Regierungsrat nimmt die Befürchtung zahlreicher Baselbieterinnen und Baselbieter ernst, dass mit einer Fusion die Eigenständigkeit, die Identität und die politische Selbstbestimmung des Baselbiets aufgehoben würden. Für grosse Teile unserer Kantonsbevölkerung haben diese Werte einen hohen ideelen und emotionalen Stellenwert und sind sehr eng mit der Zugehörigkeit zum Kanton Baselland verknüpft.
Die Gefährdung oder gar der Verlust dieser Werte löst Gefühle der Unsicherheit und der Entwurzelung aus. Zudem ist die Befürchtung, durch die Fusion insgesamt nicht zu sparen, sondern ein gegenüber heute höheres Kostenniveau staatlicher Leistungen finanzieren zu müssen, ernst zu nehmen. Mit seinem Bekenntnis zur Partnerschaft und gegen die Fusion will der Regierungsrat Sicherheit schaffen, das Vertrauen fördern und das erprobte und bewährte Partnerschaftsodell mit Basel-Stadt ausbauen.
Bis die Verfassung ausgearbeitet wäre, die Volksabstimmung darüber stattgefunden und der fusionierte Kanton funktionsfähig wäre, würde es Jahrzehnte dauern, die von der Unbestimmtheit über die Zukunft und den Fortbestand unseres Kantons geprägt wären.
Dieser `Schwebezustand` und die damit verbundene Unsicherheit würden die Entscheidverfahren in unserem Kanton während langer Zeit voraussehbar erschweren, behindern oder sogar lähmen. Notwendige Entwicklungsschritte würden nicht realisiert und auf den Zeitpunkt nach der Volksabstimmung über die Fusion verschoben mit der Folge, dass die Entwicklung in unserem Kanton in zentralen Bereichen stagnieren würde. Basel-Landschaft und Basel-Stadt wären auch auf Bundesebene Kantone mit `Verfalldatum`, die in dieser Zeit kaum Gehör fänden. Diese für unseren Kanton und für unsere Region insgesamt sehr nachteiligen Auswirkungen können mit der Ablehnung der Fusionsinitiatie frühzeitig abgewendet werden.“

„Für den Regierungsrat ist der Fortbestand unseres Kantons aber auch eine `Herzensangelegenheit`. Die Emotionalität in dieser Frage ist wichtig und ihr kommt neben den sachlichen Ueberlegungen und Abwägungen ein ebenbürtiger Stellenwert zu. Wir freuen uns über die Existenz unseres Kantons, über seine Identität, über seine unverwechselbaren Eigenheiten, über seine Vielfalt und seine Leistungsfähigkeit.
Der Regierungsrat will, dass unser Kanton seine erfolgreiche Geschichte und Entwicklung in Zukunft fortsetzen kann. Die Fusionsinitiative, bzw. die Fusion mit unserem Nachbarkanton ist hierfür nicht der richtige Weg.“

„Der Regierungsrat hat bei seiner Entscheidung auch die Stimmungslage der Bevölkerung als wichtigen Entscheidhintergrund mit einbezogen. Er nimmt dabei neben den von den Initiantinnen und Initianten und Gleichgesinnten getragenen Ueberlegungen auch die Bedenken und Befürchtungen zahlreicher Baselbieterinnen und Baselbieter ernst, dass mit einer Fusion die Eigenständigkeit, die Identität und die politische Selbstbestimmung des Kantons Basel-Landschaft aufgehoben würden. Es besteht die Gefahr, dass das Fusionsverfahren selber die Partnerschaft und die Weiterentwicklung des Kantons Basel-Landschaft lähmen würde.
Der Regierungsrat vertritt als Ergebnis eines differenzierten Meinungs- Bildungsprozesses mehrheitlich die Auffassung, dass die Weiterentwicklung der Partnerschaft vor allem mit Basel-Stadt, aber auch mit den anderen Kantonen und mit dem benachbarten Ausland der richtige, zukunftsweisende Weg ist und gegenüber der Lösung einer Fusion den Vorzug verdient. Der Regierungsrat will die beiden Erfolgsfaktoren unseres Kantons – gelebte Partnerschaft zum einen, politische Selbstbestimmung zum anderen – fortsetzen. Er lehnt den Weg der Fusionsinitiative, welcher zur Aufgabe unseres Kantons und nicht zu dessen Festigung und Stärkung führt, ab. Der Regierungsrat empfiehlt die Fusionsinitiatie aus diesen Gründen zur Ablehnung.“


Unser Kommentar:
Wir danken dem Regierungsrat und seinen Experten für ihre überaus gründliche Argumentation. Sie ergänzt und bereichert die fusionskritischen Darlegungen der Mitglieder unseres Komitees „Pro Baselbiet“ in Dutzenden von Referaten, Diskussionen, Artikeln, Kolumnen und Leserbriefen.

Der Regierungsrat rechnet mit Verfassungsrats-Sitzungsgeldern von 50 Franken pro Stunde. Das wären zehnmal weniger als der „Tarif“, den ein fusionsfreudiger Magistrat mit 500 Franken als „angemessen“ bezeichnet hatte. Ob sich die 120 Juristen und Fusions-Experten mit einer „Dumping-Taxe“ abspeisen lassen würden, darf bezweifelt werden.

Die Fusions-Verfahren wären wohl ein Schrecken ohne Ende: „Werden die Fusionsinitiativen in beiden Kantonen angenommen, müssen die Regierungen den Bund um die Gewährleistung der neuen Bestimmungen der Kantonsverfassung ersuchen.“

Dieses langwierige Verfahren würde bestimmt auf den Widerstand vieler Kantone stossen, denen das erfolgreiche föderalistische Prinzip unseres Landes wichtiger ist als Basler Sonderwünsche. „Liegt die Gewährleistung vor, müssen die Regierungen dafür sorgen, dass Innerhalb von sechs Monate die Mitglieder des Verfassungsrates gewählt werden.“ Beide Prozedere dürften wohl Jahre dauern.
Die Fusionisten selber geben ja zu, dass ein neuer Kanton Basel „nicht vor 2025“ funktionieren könnte. Wir haben immer wieder festgestellt, dass ein Verfassungsrat und die Kantonsfusion unnötig, teuer und nutzlos sind. Das bestätigt nun auch der Regierungsrat des Kantons Baselland mit
der lapidaren Feststellung: „Den Nachteilen und Risiken, die mit dem Fusionsprozess und erst recht mit den Folgen der Fusion verbunden sind, stehen keine effektiven Mehrwerte gegenüber.“